Murrhardt, Althütte, Großerlach und Sulzbach an der Murr ziehen nach fast zehn Jahren gemeinsamer Arbeit Bilanz

Nach fast zehn Jahren gemeinsamer Arbeit haben die Stadt Murrhardt sowie die Gemeinden Althütte, Großerlach und Sulzbach an der Murr einen wichtigen Meilenstein beim Glasfaserausbau erreicht. Bei einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung in der Festhalle Murrhardt blickten die vier Kommunen am Montag auf eines ihrer größten interkommunalen Infrastrukturprojekte zurück. Mit der Inbetriebnahme des Netzverteilers in Murrhardt-Unterneustetten im Juni 2026 wurde der letzte Verteilerkreis des Projekts „IKZ Murrhardt – Breitband Schwäbischer Wald“ an das Glasfasernetz angebunden. Damit ist der wesentliche Netzausbau geschafft. Einzelne Hausanschlüsse müssen noch hergestellt oder in Betrieb genommen werden, hinzu kommen weitere Anschlüsse aus einem Nachtragsprogramm.

„Wir feiern heute keinen Schlusspunkt im wörtlichen Sinne. Aber wir haben nach fast zehn Jahren einen ganz wesentlichen Meilenstein erreicht“, betonte Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner. Das Projekt sei ein „Quantensprung“ für die digitale Infrastruktur im Schwäbischen Wald. Gerade für Teilorte, Weiler und Wohnplätze sei eine leistungsfähige Internetversorgung entscheidend für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Ausgangspunkt waren zahlreiche sogenannte weiße Flecken in den ländlich geprägten Bereichen der vier Kommunen. Teilweise lagen die verfügbaren Internetgeschwindigkeiten dort noch unter zehn Megabit pro Sekunde. Weil ein eigenwirtschaftlicher Ausbau vielfach nicht zu erwarten war, vereinbarten Murrhardt, Althütte, Großerlach und Sulzbach an der Murr im Mai 2017, den geförderten Breitbandausbau gemeinsam umzusetzen. Murrhardt übernahm die Federführung.

Kevin Dispan, Bürgermeister von Großerlach, hob bei der Veranstaltung die Bedeutung dieser Zusammenarbeit hervor. Gerade bei langen Leitungswegen und vergleichsweise wenigen Anschlüssen sei der Glasfaserausbau im ländlichen Raum ohne Förderung kaum wirtschaftlich umsetzbar gewesen. Nach umfangreichen Planungen und Abstimmungen starteten Ende 2021 in Großerlach die ersten Bauarbeiten.

Althüttes Bürgermeister Reinhold Sczuka stellte die Dimension des inzwischen entstandenen Netzes heraus: Mehr als 160 Kilometer Tiefbau wurden hergestellt, mehr als 1.000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und 122 Netzverteiler errichtet. Über 4.300 Haushalte und Unternehmen sowie 14 Schulen wurden im Rahmen des geförderten Ausbaus erschlossen. Während der Projektlaufzeit konnten zudem 197 weitere Adressen in das gemeinsame Vorhaben aufgenommen werden.Das Gesamtprojekt erreicht inzwischen ein Volumen von rund 33 Millionen Euro. Die anerkannte Wirtschaftlichkeitslücke liegt bei rund 29 Millionen Euro. Bund und Land tragen davon insgesamt 90 Prozent, die vier Kommunen gemeinsam einen Eigenanteil von rund 2,9 Millionen Euro.

Sulzbachs Bürgermeisterin Veronika Holz machte deutlich, dass die Abschlussveranstaltung noch nicht das Ende aller Arbeiten bedeutet. Einzelne Hausanschlüsse sowie die zusätzlichen Nachtragsadressen werden weiter bearbeitet. Zugleich erinnerte sie daran, dass ein Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung über Amtszeiten hinweg getragen werde. Ihr Dank galt deshalb auch den früheren Bürgermeistern Christoph Jäger und dem verstorbenen Dieter Zahn, die die interkommunale Zusammenarbeit von Beginn an mitgestaltet hatten.

Auch die Vertreter der Fördermittelgeber würdigten den erreichten Meilenstein. Katharina Manthey vom Innenministerium Baden-Württemberg zeigte sich erfreut über die erfolgreiche Umsetzung des langjährigen Projekts. Martin Papendieck von der aconium GmbH, dem Projektträger des Bundes, würdigte ebenfalls das gemeinsam erreichte Ergebnis.

Sabine Wittlinger von der Deutschen Telekom stellte den Ausbau aus Sicht des Telekommunikationsunternehmens vor. „Wir haben im Rems-Murr-Kreis bereits sehr viel erreicht. Über 78.000 Haushalte und Unternehmen im Landkreis können schon einen Glasfaseranschluss der Telekom nutzen“, erklärte Wittlinger. Gerade mit dem geförderten Ausbau würden auch Adressen in besonderen Lagen erreicht, für die eine eigenfinanzierte Lösung nicht möglich sei.

Für Murrhardt geht der Glasfaserausbau unterdessen weiter. Im Rahmen des Weiße-Flecken-Programms konnten in Murrhardt, Fornsbach und Kirchenkirnberg 1.685 Adressen baulich in die Glasfasererschließung einbezogen werden. Parallel baut die GlasfaserPlus GmbH vor allem in der Kernstadt eigenwirtschaftlich ein weiteres Glasfasernetz. Dabei sollen 1.599 weitere Gebäude mit rund 3.750 Haushalten erschlossen werden. Danach verbleiben nach heutigem Stand noch rund 1.000 sogenannte graue Flecken. Ziel der Stadt bleibt deshalb ein perspektivisch möglichst flächendeckender Glasfaserausbau.

Zum Abschluss dankten die vier Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Bund und Land, dem Rems-Murr-Kreis und dem Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr, dem Projektträger des Bundes, der Deutschen Telekom, den beteiligten Fachbüros und Bauunternehmen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltungen sowie den Bürgerinnen und Bürgern für die langjährige Unterstützung und Geduld.

 

Bildunterschrift

Von links nach rechts: Martin Papendieck (aconium GmbH), der frühere Großerlacher Bürgermeister Christoph Jäger, Bürgermeister Kevin Dispan (Großerlach), Bürgermeister Reinhold Sczuka (Althütte), Bürgermeister Armin Mößner (Murrhardt), Sabine Wittlinger (Deutsche Telekom), Dr. Inge Gräßle MdB, Bürgermeisterin Veronika Holz (Sulzbach an der Murr), Dr. Jens Steinat MdL und Katharina Manthey (Innenministerium Baden-Württemberg).